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THEMA: Kimono-Kunde

Kimono-Kunde 20 Feb 2014 22:05 #3359

  • TakumaIchijou
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Hallöchen Ihr Lieben,

viel zu lange hab ich nichts mehr für diese Rubrik geschrieben, das musste sich dringend ändern! *Mundmaske aufzieht und erst einmal gründlichst durch die Kategorie putzt und Staub wischt*

So... und aus gegebenen Anlass im Ingame, sprich unserem Neuzugang Kiyomi-chan, die Kimonos liebt und sammelt, und da Thakaria ebenfalls einen von ihren Eltern geschenkt bekommen hat, möchte ich mich mal an dieses Thema heran wagen. Ich sage deshalb heran wagen, weil ich es als große Herausforderung sehe, das Ganze informativ und doch interessant zu gestalten, ohne 100 Seiten dazu zu schreiben. Nicht ohne Grund gibt es etliches an Wälzern einzig und allein über Kimono und das aus gutem Grund *^__^*

Das Thema ist mir ziemlich wichtig, da es meiner Meinung nach so japanisch ist wie es nur sein kann. Darin zeigt sich die ganze Detailverliebtheit, elegante Schönheit und durchdachte Perfektion, aber auch die Exzentrik und strenge Maßregelung. Pingeligkeit, wenn man gemein sein möchte XD

Das "Schlimmste", was ich zu Kimono persönlich gehört habe kam von meiner ehemaligen Arbeitskollegin... "Kimono, das ist doch so ein japanisches Wickelkleid, oder?" *GRUSEL!* Des Weiteren ist es mittlerweile relativ einfach einen Kimono zu kaufen. Während man früher - logischerweise - nur in Japan welche erwerben konnte, gibt es heutzutage im Internet einiges an Verkäufern, wie Antiquitätsshops, Kimono-Flohmärkte, Ebay & Co, die Kimono anbieten. Doch nur weil man einen Kimono kauft, heißt es noch lange nicht, dass man ihn fachgerecht tragen kann. Weshalb die Japaner solche Käufer bestenfalls milde und großzügig belächeln und ihre Meinung über Westler noch mehr bestätigt sehen.

Sodele, genug der Einleitung. Wenn noch Fragen sein sollten, immer her damit. Auch wenn ich noch lange kein Experte bin, weil mit im RL Zeit, Geld und Platz für Kimono fehlen, werde ich versuchen nach besten Wissen und Gewissen zu antworten ;)


Kimono-Kunde

Nichtsdestotrotz, um euch gleich zu beschwichtigen, bei dem was ihr alles nachfolgend lest - Nein, natürlich weiß nicht jede Japanerin zu 100% alles über Kimono und erst recht hat nicht jede Dutzende! Es gibt viele Kimono und Obi (Kimono-Gürtel), die so viel kosten wie ein Auto! Die Durchschnittliche Japanerin hat vielleicht 1-2 Kimono, die recht neutral sind und zu festlichen Anlässen getragen werden können. Für alles Weitere gibt es mittlerweile die Möglichkeit, sich den Kimono mit zugehörigen Accessoires auch auszuleihen.

Und was das Wissen selbst angeht bzw. die Kunst den Kimono überhaupt anzuziehen - mittlerweile gibt es auch in Japan dafür Kimono-Kurse. Frauen, die in sehr traditionelle Familien einheiraten, machen nicht selten ein paar Jahre lang die Ausbildung zur Maiko (Lern-Geisha) mit, um neben Kimono-Kunde auch Traditionen wie Teezeremonie, Musik, Gesang etc. zu erlernen.

Ihr seht, das Ganze ist selbst für eine Japanerin alles andere als einfach ^ö^"
Etwas, dessen man sich im Vorhinein bzw. beim Kauf ebenfalls Gedanken machen sollte ist die Lagerung und Pflege. Kleiderbügel sind absolut ungeeignet, da sich der Kimono sonst an manchen Stellen aushängt. Ideal und traditionell werden die Kimono nach einer bestimmten Art gefaltet, idealerweise werden feine Seidenpapiere zwischen den Stoff gelegt, damit er nicht direkt aufeinander liegt.

Was das Waschen angeht - es ist eine recht aufwändige Prozedur. Ja, mittlerweile gibt es Kimono aus Baumwolle und sogar Polyester, damit die moderne Frau von heute es in die Waschmaschine stecken kann. Die traditionellen Kimono würden hierbei allerdings zerstört werden und die Farben sich auswaschen. Nur so viel (als reine Info, damit ich nicht noch ein Kapitel mit der Pflege fülle XD ) - traditionell wird der Kimono wieder komplett auseinander genäht, alle Teile einzeln gewaschen und anschließend wieder zusammen genäht ^w^" Und um dem ganzen die Krone aufzusetzen - es gibt Teile vom Kimono, auf die man besonders achten sollte, weil sie gar nicht gewaschen werden dürfen und es nur wenige Kimono-Spezialisten gibt, die sich dessen annehmen können.


Farben und Symbolik

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Es gibt bei der Wahl des Kimono diverse Kriterien. Eins davon ist der "Anlass" zum Tragen des Kimonos, denn man muss unterscheiden zwischen den Kimono für zwanglose Gelegenheiten und für festliche Anlässe. Des Weiteren geben Farbe und Muster viel Aufschluss über das Alter und den Rang der Trägerin oder des Trägers. Junge tragen eher große, auffällige, bunte Muster, während Ältere eher gedeckte Farben und kleine Muster wählen. Auch verheiratete kleiden sich eher in "unauffällige" Kimono in blau, grün oder grau, während das Bambusmuster sehr häufig zu finden ist.

Allgemein haben auch die Muster eine symbolische Bedeutung. Beispielsweise steht der Kranich für Glück und ist ein typisches Muster auf dem Hochzeitskimono. Bambus steht für Flexibilität, das japanische Symbol für Liebe ist der Schmetterling etc etc etc.

Ein wichtiges Element ist auch die "Terminologie" der Jahreszeiten, denn im Idealfall soll der Kimono auch Ausschluss über die aktuelle Jahreszeit geben, in Anlehnung an die Abhängigkeit des Menschen an die Natur. Also ist klar, dass Ahornblätter genauso ein No-Go im Frühling sind wie Kirschblüten im Herbst. Je nach Jahreszeit gibt es auch verschiedene Stoffe, die getragen werden sollen und es gilt als verpöhnt, sich nicht daran zu halten.


Arten

Die Optimisten unter euch werden jetzt vielleicht sagen/denken "Wieso Arten? Kimono ist Kimono, Punkt", dann muss ich jedoch antworten - Nope, auch dem ist nicht so.
Es gibt einiges an Unterschieden zwischen den Kimonos, in Farbe, Musterung, Ärmellänge etc etc. Manche sind offensichtlich, andere eher weniger. Und nein, ich werde euch die ganze Palette nicht "antun", denn das würde den Rahmen hier eindeutig sprengen.


Komon

Der Alltagskimono für ledige sowie verheiratete Frauen ist der Komon aus sehr feinen Stoff und durchgehenden Muster (was traditionell wichtig ist ^^ )

Furisode

Der wichtigste Kimono für junge, unverheiratete Frauen, der große, farbenfrohe Muster aufweist und lange Ärmel (die bis zu den Knöcheln reichen können).

Uchikake

wird der traditionelle, bunt gemusterte Hochzeitskimono genannt, der aus besticktem Seidenbrokat besteht. Er ist sehr schwer und die Verziehrungen sollen Glück verheißen, während die Grundfarbe in der Regel rot ist.

(Kuro-)Tomesode

Der förmlichste Kimono für eine verheiratete Frau. Es hat eine schwarze Grundfarbe und je jünger die Trägerin ist, desto höher reicht das Muster auf dem Kimono. Je nach wichtigkeit des Anlasses kann der Tomesode mit drei oder fünf Kamon (Familienwappen) getragen werden und zeigt so auch den Familienrang auf.

Tsukesage

Diese Kimonos haben meist nur ein Muster in Höhe der Brust und des Saums und können selbst von Geishas zu informellen und formellen Anlässen getragen werden.

Yukata

Ungefütterter Baumwollkimono für die Sommerzeit oder nach einem heißen Bad im O-Furo ^^ liegt öfters auch im Ryokan aus, besonders wenn ein Onsen (heiße Quellen) integriert sind.


Wer gerne Bilder-Beispiele sehen möchte und mehr Infos zu dem Rang der Anlässen sucht, wird hier recht schön fündig: Kimono-Arten


Das Ankleiden

Einen Kimono ohne Hilfe anzuziehen ist für die meisten Japanerinnen heute längst unmöglich. Wie gesagt, es gibt Schulen, in denen alles Nötige erlernen kann und in denen auch Ankleider/innen ausgebildet werden.

Jedenfalls ist es für das Tragen des Kimonos nicht ausreichend, nur den Kimono zu besitzen. Es fängt an mit dem „Juban“ (Unterkimono), der als Unterwäsche dient und dafür sorgen soll, dass kein Schweiß etc. bis zum Kimono durchdringt. Doch daneben braucht man noch einiges für ein Kitsuke ("wie man einen Kimono trägt"), außerdem kann man damit das ganze Erscheinungsbild mit den richtigen Accessoires aufwerten.

Das Wichtigste ist der Obi ( der bis zu 4m langer Gürtel), der ähnlich wichtig ist wie der Kimono selbst und dem man ein eigenes Kapitel widmen könnte. Daneben gibt es noch Hilfsmittel wie Koshihomo (Bänder fürs Zusammenhalten von Kimono und Juban), Obijime (Kordel), Obimakura (Obikissen) und Obiage (Stoffschärpe), Dateeri (Kragen) und Haneri (Halbkragen), Tabi (Zehensocken) und Zori (Kimono-Schuhe, es gibt welche auch für Regen und Schnee) und noch einiges mehr…

Ihr seht… milde gesprochen, sehr kompliziert. ^ö^“ Ich habe auch versucht das Ankleiden selbst zu beschreiben, aber… ich habe es aufgegeben. Da Bilder mehr sagen als Worte, habe ich Videos rausgesucht, die alle Schritte beschreiben und verdeutlichen, wie schwierig es ist. Wer doch noch Infos möchte, kann mir natürlich gerne Bescheid geben :)

Sehr schön, aber in japanisch

anziehen eines Yukata

Und Teil 2


Ich hoffe, ich habe euch nicht gelangweilt und konnte euch einen informativen Einblick in die Welt der Kimonos geben! *^_^*

Alles Gute,

Eure Ta-chan
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Kimono-Kunde 13 Apr 2014 09:56 #3401

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:hopps Ein dreifaches Hoch auf unseren ganz spezielle Ichi :hopps

Ein wundervoller, sachlich fundierter Überblick zum Thema Kimono für alle unsere japanophilen User ( vermutlich vor allem die weiblichen ;) )

Toll geschrieben und absolut lesenswert für all jene, bei denen das Interesse an der japanischen Kultur ÜBER Sushi essen und Mangas lesen hinausgeht.

Von der Administration einen ganz herzlichen Dank an den Verfasser und Mitadmin:

Takuma Ichijou
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